30.12.2019 - Offizielle Programmbeschwerde beim Rundfunkrat - Facebook-Video "Meine Oma ist ne Umweltsau"


Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits als ich zum ersten Mal diese Produktion gesehen habe, war ich verärgert über eine solche geschmacklose und beleidigende Produktion. Mittlerweile gibt es tausende von Bürgern, die sich über dieses Facebook-Video entrüsten und den WDR auffordern Konseqenzen zu ziehen. Doch der schrittweise Rückzug des WDR überzeugt nicht. Da fordere ich Sie auf, meine Beschwerden ernst zu nehmen und angemessen zu reagieren.

1. Kunstform "Satire" rechtfertigt kein Verunglimpfung einer Gruppierung von Menschen
Bei Wikipedia wird der Begriff foldendermaßen beschrieben: "Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde." Textuell ist das Lied "Meine Oma ist ne Umweltsau" eine Satireform. Doch wer steht im Kritikpunkt des Liedes? Es sind nicht einmal "Klimalügner", sondern die ältere Generation denen man auf diese Weise unterstellt, sie würden einfach ihre Wünsche im Rentenalter ausleben und sich keine Gedanken um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen machen. Das so ein Text - von Kindern gesungen - am Besten bei einem Zuhörer "ankommt", ist nachvollziehbar. Die inhaltliche Unverschämheit besteht darin, die ältere Generation pauschal und ungerechtfertigt ins Vizier zu nehmen, was man auch als Verleumdung sehen kann. Es ist eine Gedankenlosigkeit, für die sich die Verantwortlichen ohne "Wenn" und "Aber" entschuldigen sollten. Die Erklärung "Es war ja nur Satire ..." ist nur peinlich und zeigt nur, das man solchen Personen keine Verantwortung übertragen kann.

2. Instrumentalisierung von Kindern
Die Chorkinder sind in einem Alter, in dem sie noch nicht einmal den Begriff Satire erklären könnten. Sie singen das was man ihnen beigebracht hat und finden das vielleicht sogar lustig. Das sie es singen liegt in der Verantwortung der Eltern, des Chorleiters und des Chorteams. Der Begriff Instrumentalisierung beschreibt den Vorgang inhaltlich exakt, auch wenn sogar der Programmchef Herr Jochen Rausch dies bestreitet. Der einzige Begriff, den man alternativ für Instrumentalisierung nennen könnte heißt "Kindesmißbrauch".

Das Facebook-Video "Meine Oma ist ne Umweltsau" ist nur ein Teilaspekt. Der WDR Kinderchor nahm auch an einer Veranstaltung von "Plant for the Planet" teil und ließ die Kinder in einer Tagesakademie zu "Klimaschützern" ausbilden (siehe Anhang 1). Das dann die Kinder bei den Videoaufnahmen besonders motiviert waren, ist nachvollziehbar. Die Organisation "Plant for the Planet" steht bekanntermaßen in Verbindung mit "Fridays For Future" und "Extension Rebellion". Die Frage sollte berechtigt sein, ob die Zielsetzung des Kinderchors in eine gesellschaftliche Aufgabe abdriftet.

3. Fehlverhalten eines freien Mitarbeiters des WDR
Wenn die Veröffentlichung des Facebook-Video "Meine Oma ist ne Umweltsau" eine Fehlentscheidung des WDRs war, so ist die verbale Entgleisung des freien WDR-Mitarbeiters Danny Hollek unentschuldbar. Folgende Aussagen (siehe Anhang 2) habe ich mehrfach bei Facebook von ihm gefunden:

"Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau."

"Haha. Wie jetzt alle ausrasten."

"Bin auch weiterhin der Meinung, das alte Menschen noch nicht ausreichend beleidigt wurden. Mehr!"

Einem Twitter-User (siehe Anhang 3) hat das WDR Social-Media-Team beim ersten Tweet mitgeteilt: "Hallo Thea, der betroffene freie Mitarbeiter hat den Tweet von seinem privaten Twitter-Acccount abgesetzt. Wir distanzieren uns scharf von Form und Inhalt". Diese Reaktion war lobenswert, doch sie ersetzt nicht eine angemessene Reaktion des WDR als Arbeitgeber. Und die kann nur eine sofortige Aufhebung des Arbeitsvertrages bedeuten, denn Herr Hollek beleidigte und hetzte gegen Kritiker seines Tweets. Ob seine Äußerungen durch die Meinungsfreiheit rechtlich abgedeckt sind habe ich Zweifel. Sollte der WDR sich nicht von diesem Mitarbeiter trennen, würde er diese Ausraster noch indirekt billigen. Abhängig von seinen beruflichen Aufgaben ist er in keiner einzigen Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt mehr tragbar.


Mit freundlichen Grüßen
Reiner Pracht



Anmerkung: Der Empfang meiner Beschwerde wurde bestätigt. Ich wurde darüber informiert, dass der Rundfunkrat am 24. Januar 2020 tagen und sich selbst eine Meinung bilden wird.



 Anhang 1


 Anhang 2


 Anhang 3