9.3.2020 - Leserbrief zu dem Artikel "Es dreht sich zu langsam"


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Leserbrief zu dem Artikel "Es dreht sich zu langsam" veröffentlichen würden.

Halbwahrheiten unter dem Stichwort "Wissen" zu verbreiten nenne ich "Fake News". Nach Prof. Quaschning braucht man für die Energiewende rund 150.000 Windräder. Da Deutschland nur eine Fläche von 358.000 km2 hat, braucht man keine große Phantasie um sich vorzustellen, dass die angeblich benötigte Fläche von 2% der Landesfläche einfach nicht stimmt. Windkraftanlagen kann man auch nicht beliebig nah zusammenstellen, da sie sich sonst gegenseitig stören. Die Energieerzeugung von Sonne und Wind kann man in keinem Fall mit Kohle- oder Atomkraftwerken vergleichen. Dazu ist die Volatilität ( = Unzuverlässigkeit) einfach zu hoch. Laut dem Fraunhofer-Institut gelangten 2017 nur selten (!) als 45 GW Leistung in das Stromnetz. Die Effektivität liegt bei 17%! Energiespeicher, die die Schwankungen ausgleichen könnten, gibt es in dieser Größenordnung nicht. Die Hauptprobleme sind die großen Energieverluste (mindestens 60-70%), die technische Machbarkeit, die immensen Kosten und die fehlenden politischen Rahmenbedingungen. Visionäres Denken ist beim Projekt Energiewende sicherlich notwendig. Aber die Fortsetzung der aktuellen "Vogel-Strauß-Politik" wird Deutschland in das wirtschaftliche Abseits führen und unsere Landschaft nachhaltig zerstören.

Mit freundlichen Grüßen
Reiner Pracht



Anmerkung: Dieser Leserbrief wurde am 8.3.2019 an die Nordbayerischen Nachrichten geschickt und bis jetzt nicht veröffentlicht.



Update vom 30.3.2020


Bereits am 9.3 erhielt ich eine Mail von Herrn Eckart Granitza (Wissenschaftsjournalist, Redakteur/Autor zdf/3sat, Dipl. Geologe, priv. Dozent), dem Autor des Berichtes. Er schrieb mir, dass Prof. Quaschning an keiner Stelle von 150 000 WEAs sprechen würde. Bei der heutigen Entwicklung von Windkrafträdern bräuchte man voraussichtlich nur 65.000 bis 77.000 Windräder. Er glaubt auch, dass die Berechnung von 2% der deutschen Fläche für die Windrädern ausreichen würden. Zum Thema Energiespeicher meint er, dass es sie bereits gäbe und nur der Einsatz nur oft wenig wirtschaftlich sei. Er verwies auf das Fraunhofer Institut, laut dem "der Betrieb regelbarer Anlagen zur Stromerzeugung auch langfristig erforderlich" sei. Als Informationsquelle nannte er mir folgende Studie (siehe Link): "WEGE ZU EINEM KLIMANEUTRALEN ENERGIESYSTEM".

Ich habe mich bei Herrn Granitza ausdrücklich für seine Erklärungen bedankt und ihm in einem längeren Brief meine Positionen dargelegt. Meinen Leserbrief habe ich überarbeitet und nochmal an die Nordbayerischen Nachrichten geschickt. Er wurde bis jetzt nicht veröffentlicht:

Der Artikel basiert auf den Aussagen von Prof. Quaschning, die man durchaus anzweifeln kann. Nicht erwähnt wird, dass die installierte Leistung von Windkraftanlagen von aktuell (2019) 62 GW auf 260 GW im Jahr 2050 ansteigen soll. Die Anzahl der Windräder hängt stark davon ab, wie sich die Technik weiterentwickelt und ob ein Betreiber in jedem Fall die höchste Anlage (230 Meter und mehr) mit dem leistungsstärksten Generator (3,5 MW und mehr) bauen will. Schließlich ist das Neueste auch das Teuerste. Man kann aber von einer Zahl von 60.000 bis 90.000 Anlagen ausgehen. Gleichzeitig soll die installierte Leistung von PV-Anlagen von 49 GW auf 415 GW im Jahr 2050 ansteigen, wobei maximal 226 GW mit Freiflächenanlagen (Fläche: 3164 km2) realisiert werden. Prof. Quaschning behauptet, dass 2% der Landesfläche für dén Betrieb von Windkraftanlagen ausreichen würden. Deutschland erstreckt sich über 358.000 km2. Daher sind 2% umgerechnet 7160 km2 (ca. dreifache Größe von Saarland). Auf jeden Quadratkilometer würden 9 Windräder stehen. Der Abstand zwischen jeder Anlage wären 333 Meter. Bei den heutigen hohen Anlagen würden sie sich gegenseitig stören und somit ineffizient arbeiten. Zudem ist jeder Windpark unterschiedlich aufgebaut und die Abstände können 600 Meter und mehr betragen. Die Energieerzeugung von Sonne und Wind kann man in keinem Fall mit Kohle- oder Atomkraftwerken vergleichen. Dazu ist die Volatilität ( = Unzuverlässigkeit) einfach zu hoch. Laut dem Fraunhofer-Institut gelangten 2017 nur selten (!) als 45 GW Leistung in das Stromnetz. Die Effektivität liegt nur bei 17%! Pumpspeicherwerke, die die Schwankungen ausgleichen könnten, gibt es in dieser Größenordnung nicht. Elektrolyseure, die mit dem überschüssigen Strom Wasserstoff produzieren könnten, gibt es nicht einmal ansatzweise. Die Hauptprobleme sind die großen Energieverluste (mindestens 60-70%), die technische Machbarkeit, die immensen Kosten und die fehlenden politischen Rahmenbedingungen. Visionäres Denken ist beim Projekt Energiewende sicherlich notwendig. Aber die Fortsetzung der aktuellen "Vogel-Strauß-Politik" wird Deutschland in das wirtschaftliche Abseits führen und unsere Landschaft nachhaltig zerstören.



Anmerkung: Dieser Leserbrief wurde am 12.3.2019 an die Nordbayerischen Nachrichten geschickt und bis jetzt nicht veröffentlicht.
Am 18.04.2019 erfolgte der letzte Update.